Teheran Kuppel

Teheran-Bazar, 2017 - 2018




Restaurierte Stuckatur @ Sohrab Daryabandaril

Fakten:

Raum 1 Stk. große Kuppel als Überdachung einer Straßenkreuzung
Wand- und Deckenflächen > 500m²
Arbeitszeitraum 10 Wochen
Beteiligte: Fa. Buch & Schudrowitz, Berlin: 8 Dipl.-Restauratoren und Restauratoren



Das Objekt - die Kuppel im großen Basar von Teheran

"Gegenstand des Projekts war die Restaurierung einer Kuppel an einem der wichtigsten Kreuzungspunkte im Zentrum des Basars von Teheran. Sie misst etwa zwölf Meter im Durchmesser und wird über eine Laterne im Kuppelscheitel belichtet. Ihren unteren Abschluss bilden acht Spitzbögen. Vier Einkaufsstraßen treffen hier zusammen, zwischen denen sich jeweils eine Nische mit einem Laden befindet. Ziel des Projekts waren die Sicherung, Festigung und behutsame Teilrestaurierung der inneren Kuppeloberflächen und des zugehörigen plastischen Ornamentbesatzes. Das Projektteam bestand auf deutscher Seite aus einer Expertengruppe der RWTH Aachen, der FH Potsdam und Berliner Diplomrestauratoren sowie auf iranischer Seite aus Vertreterinnen und Vertretern der iranischen Denkmalschutzbehörde ICHHTO und des Iran’s Research Institute for Cultural Heritage and Tourism (RICHT).

In einem ersten Schritt wurde im Vorfeld eine restauratorische Untersuchung zu Bestand und Farbgestaltung der Kuppel ausgeführt. Inhalt und Ziel dieser Vorarbeit war es, auf Basis dieser Informationen eine erste Konzeption zur weiteren Herangehensweise zu entwickeln. Parallel dazu fertigten Architekten der RWTH Aachen zur Bauaufnahme und Visualisierung einen 3D-Scan der Ansichtsflächen der Kuppel. Im zweiten Schritt auf dem Weg zur Entwicklung einer Konzeption für die Konservierung, Restaurierung und Rekonstruktion fanden gemeinsamen Symposien mit der iranischen Bauherrschaft, dem Landesdenkmalamt Iran sowie den deutschen Architekten und Restauratoren statt. Hier wurden die Inhalte und Ziele einer gemeinsamen Restaurierungs- und Konservierungskampagne für die Kuppel entwickelt und geplant. Noch in 2017 wurde die Kuppel als bilaterales Gemeinschaftsprojekt konserviert und restauriert.

Rechts die Darstellung der bauzeitlichen Farbigkeit in einem Achtel des Kuppelumfangs @ Christian Raabe

Zeitlicher Rahmen

  • Restauratorische Voruntersuchungen und Entwicklung einer Konzeption in zwei Phasen - im Mai und September 2017
  • Restaurierung der Kuppel - von Oktober bis Dezember 2017

Offizielle Übergabe der fertigen Kuppel - Februar 2018

Vorbereitende Untersuchung an der Schnittstelle der ältesten und der jüngsten Fassung. Die älteste Substanz wurde konserviert, die jüngste restauriert. @ Christian Raabe
Zustand der Stuckatur im Bereich der jüngeren Fasssung vor der Restaurierung  @ Christian Raabe
Vor und nach der Reinigung der Oberflächen @ Christian Raabe
Stuckaturergänzungen und Riss-Schließung @ Christian Raabe
Zustand der Stuckatur im Bereich der jüngeren Fasssung nach der Restaurierung @ Christian Raabe
Bestandsdokumentation Stuckatur @ Marc Wietheger

3D-Modell der Kuppel des Stuckbereichs vor der Restaurierung

Kurzangaben zum Objekt

"Der Große Basar von Teheran liegt im Stadtteil „Basar“, im südlichen Zentrum von Teheran. Er gilt weltweit als der größte seinesgleichen und beinhaltet große Teile des historische Zentrum Teherans. Neben Handelsunternehmen und markttypischen Geschäften befinden sich im Basar Banken, Restaurants, Herbergen und Moscheen. Durch den Basar ziehen sich zahlreiche Straßen und Gassen, welche jeweils auf unterschiedliche Waren spezialisiert sind. Über dem Kreuzungspunkt von zwei Straßen, der Chahar-suq-e-Bozorg und der Haft Tan, steht der große Raum mit Pendentifkuppel auf oktogonalem Grund.

Aufgrund seiner Lage und Form geht man davon aus, dass es sich bei diesem Raum um ein Bauwerk aus der Zeit um 1850 handelt.

Der Kuppelraum gründet sich auf einem achteckigen Grundriss und überkuppelt einen großen Wege-Kreuzungs-Punkt im Basar. In den vier "geschlossenen" Feldern ohne Zuwegung des Oktogons befinden sich vier Läden.

Die Kuppel ist als großes, glatt geputztes Halbrund mit mittiger, achteckiger Öffnung ausgeführt. Diese wird von einer Laterne bekrönt. Die Laterne wird durch acht rundbogenförmige Fenster gegliedert. Die Laterne schließt oben mit einer halbkugelförmigen Kuppel ab. Im Zentrum der Kuppel befindet sich eine kleine kreisrunde Öffnung.

Unterhalb des umlaufenden Kämpfergesims, in den Pendentifs sind reichhaltige, florale Stuckierungen ausgeführt. Die Stuckaturen im unteren Kuppelsegment zeigen Akanthusblätter, Blüten und Palmetten. Die Kuppel wird von 8 Pfeilern getragen. Die Öffnungen werden durch flache Spitzbögen überspannt welche auf Blattkapitellen lagern."

Teheran Bazar

Aufgabe, Inhalt und ausgeführte Leistungen

Am Anfang standen zunächst die Dokumentation des Bestandes, eine Farbbefunduntersuchung, eine Schadensanalyse und die Entwicklung einer denkmalpflegerischen Konzeption für die Restaurierung der Kuppel. Das Konzept wurde gemeinsam mit der iranischen Seite im Rahmen mehrerer Workshops erarbeitet und abgestimmt. Die weiteren notwendigen administrativen Aktivitäten sowie die Kommunikation mit der wichtigen Nutzergruppe des Basars, den lokalen Händlern, den sogenannten Bazaries, lagen wesentlich in der Hand der iranischen Partner. Sie übernahmen auch die Beauftragung und Finanzierung der komplizierten Gerüstbauarbeiten.

Anhand bauforscherischer und restauratorischer Untersuchungen konnten weitgehend die zahlreichen farblichen und gestalterischen Veränderungen seit der Entstehung des Bauwerks um 1850 dokumentiert werden. Hinzu kam die weitgehende Analyse der Konstruktion, der verwendeten Materialien sowie der historischen Stucktechniken. Bei der Vermessung des Kuppelraumes, für die nur zwei Tage zur Verfügung standen, bewährte sich eine Kombination der bildbasierten Messmethode SFM mit einem 3D-Laserscan.

Die halbkugelförmige Kuppel besaß bauzeitlich eine ornamentale, polychrome Ausmalung auf Glattputz. Von dieser Ausmalung sind heute im Anschluss an das Kämpferprofil noch ca. 3m² erhalten. Diese fragmentarisch überkommende Malerei wurde partiell freigelegt, vollflächig gereinigt und konserviert. Der angrenzende, monochrom gefasste Kuppelbereich mit Laterne basiert auf einem sekundären Neuputz. Der Putz und das Farbschichtenpaket wurden repariert und im Fondton der freigelegten Malerei gefasst. Hierfür wurden regional typische und weitgehend materialidentische Materialien verwendet. Circa 7/8 der Stuckaturen des Kämpferbereiches, der Pendentiffelder und der Torbögen waren in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals und fachlich unterschiedlich repariert und überfasst. Hier wurde die jüngste, polychrome Farbgestaltung restauriert. Das restliche 1/8 der stukkierten Kuppel, welches besonders viele Zerstörungen aufwies, nutzten wir für die Rekonstruktion und Demonstration der bauzeitlichen Farbigkeit.

Im Restaurierungsprojekt - Kuppel des großen Basar - arbeiteten acht deutsche und zwei iranische Restauratoren, unterstützt von zwei iranischen Praktikanten, im Herbst 2017 vor Ort. Durch dieses Kulturerhalt-Vorhaben wurden Austausch und Wissenstransfer zwischen iranischen und deutschen Experten in den Bereichen Bauforschung, Denkmalpflege, Bauerhaltung und Restaurierung für weitere Kooperationen vertieft und gefördert.

Erstens konserviert eine monochrome Fassung über ein Viertel des gesamten Kuppeldurchmessers die noch vorhandenen, weitgehend unzerstörten und nur geringfügig veränderten ältesten Stuckaturen. Zu diesem Teil gehört auch die Sicherung und Festigung der leider nur noch in wenigen Bereichen vorhandenen ornamentalen Bemalung der glatten Kuppelfläche. Der Rest der Stuckaturbereiche war über die vergangenen Jahrzehnte mehrmals grob übermalt und auch plastisch nur nachlässig ergänzt worden. Hier wurde zweitens die jüngste sichtbare polychrome Fassung restauriert. Ein Achtel der Kuppel in diesem Bereich, der besonders viele Zerstörungen aufwies, nutzten wir für die Rekonstruktion und Demonstration der ursprünglichen Farbigkeit des gesamten Stuckornaments und damit für eine dritte Fassung, die wir nach den Befunden eindeutig belegen konnten. Alle im Zuge der Wiederherstellung verwendeten Stoffe orientieren sich eng an den originalen historischen Materialien.

Für dieses Restaurierungsprojekt arbeiteten sechs deutsche und zwei iranische Restauratoren, unterstützt von zwei iranischen Praktikanten, im Herbst 2017 knapp fünf Wochen vor Ort. Durch dieses Kulturerhalt-Vorhaben wurden Austausch und Wissenstransfer zwischen iranischen und deutschen Experten in den Bereichen Bauforschung, Denkmalpflege, Bauerhaltung und Restaurierung für weitere Kooperationen vertieft und gefördert."


AUSWÄRTIGES AMT (Hrsg.): "Kulturwelten – Außenpolitik für das Kulturelle Erbe". Berlin, 2018 (sh. S.48 ff.)

Kontakt

Buch & Schudrowitz GbR

Zellestraße 2A

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